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SIMONE WESTERWINTER
Solo – Neue Arbeiten
STUTTGART 9.6. – 30.7.2016
GESCHLOSSEN DonnersTAG, 30.6.2016

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Simone Westerwinter zeigt in ihrer Ausstellung »Solo – Neue Arbeiten« ungegenständliche, abstrakte, malerische Werke auf Leinwand und Stein, die ganz der reinen Farbe und ihrer strukturellen Wirkung gewidmet sind. Es werden unter anderem mehrteilige Gemälde und Bilderserien aus diesem Jahr sowie neue Steinskulpturen von 2016 ausgestellt. Die Farben trägt Westerwinter aufgefächert von warmen zu kalten Tönen und vice versa auf. Stets ist es ein Ausschnitt aus dem Farbspektrum mit entweder separiert gestaffelten Farbflächen in gröberen, abrupten Stufen oder mit feineren, sanften Verläufen auf der Grundlage von puren Farbpigmenten. Einerseits entstehen dabei Bereiche mit schillernden Regenbogenfarben, andererseits ist es nur eine reduzierte Palette von wenigen Farben. Durch die Anordnung der Farben und durch grobe wie auch feinste Unterschiede in den Farbtonnuancen entsteht eine formale, systematische Farbfeldmalerei.
Diese minimalistische Darstellung entwickelt eine beeindruckende Raumwirkung, die trotz ihrer Abstraktion Assoziationen zur Landschaftsmalerei wecken. Mit der analytischen und strukturierenden Wirkung von Farbe befasst sich Westerwinter in ihren Arbeiten seit mehreren Jahren. Hierzu hat Westerwinter ein eigenes Verfahren entwickelt, indem sie zunächst mit Hilfe eines Pinsel Farbe auf eine Leinwand aufträgt um dann weitere Farbe aus Bechern darauf zu gießen oder zu schütteln, um dann im nächsten Schritt in die noch nassen Leinwandoberfläche eine zweite, unbehandelte Leinwand zu drücken. Die behandelte Leinwand fungiert dabei als Druckstock für weiter Leinwände, wodurch der Vorgang wechselseitig wiederholt werden kann. So auch bei dem Diptychon Solocolor 15, das vordergründig wirkt als würde es aus zwei identischen Arbeiten bestehen. Bei näherer Betrachtung wird allerdings deutlich, dass es sich spiegelverkehrt verhält und kleine Unterschiede vorhanden sind. »Mit dieser Malweise anonymisiere ich den Malprozess. Das Ergebnis wirkt weniger willkürlich und mehr objektiv.
Gleichzeitig ist für den Betrachter eine Einsicht in die künstlerische Vorgehensweise möglich, die zumindest ansatzweise visuell nachvollziehbar wird. Ich lege offen, wie etwas entstanden ist. Da die Kunst das Leben vielleicht nicht komplett spiegelt, aber ihm doch ähnelt, hofft der Betrachter in der Kunst seine Sehnsucht zu stillen, die Welt und ihre Gesetzmäßigkeiten und Mechanismen ein wenig zu verstehen und vielleicht sogar zu mögen.«

 

OBJECTS IN MIRROR ARE CLOSER THAN THEY APPEAR
DELIA JÜRGENS | WATARU MURAKAMI | LISA MÜHLEISEN | SIMON SPEISERS | ANNABELLA SPIELMANNLEITNERS | JULIEN VIALA CURATED BY PHILIPP ZIEGLER
STUTTGART 9.6. – 30.7.2016
GESCHLOSSEN DONNERSTAG, 30.6.2016

„At Taipei Airport, a few weeks after the Fukushima disaster, I am scanned for radiation since I have just transited in Tokyo. Every attempt to pull myself free by some act of cognition renders me more hopelessly stuck to hyperobjects. Why?“

Auf Außenspiegeln von Kraftfahrzeugen ist in den USA und Kanada der Sicherheitshinweis aufgedruckt: OBJECTS IN MIRROR ARE CLOSER THAN THEY APPEAR. Was den Fahrer im Straßenverkehr eigentlich daran erinnern soll, dass die Wölbung des Spiegels Objekte weiter entfernt aussehen lässt, als sie tatsächlich sind, kann angesichts der globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel, dem Artensterben, der Produktion von Treibhausgasen oder der Übersäuerung der Ozeane auch so verstanden werden, dass diese Probleme die Menschheit unmittelbarer bedrohen, als wir es im allgemeinen wahrhaben wollen. Seit einigen Jahren ist vor dem Hintergrund der Debatten um das Anthropozän, dem menschengemachten Erdzeitalter, in der Philosophie und Kunst eine Rückbesinnung auf das Objekt zu verzeichnen. Der neue Materialismus oder die neue materialistische Ontologie, die auch unter dem Schlagwort des Spekulativen Realismus und einer objekt-orientierten Ontologie (OOO) von sich reden macht, stellt ganz allgemein die Dinge in ihren Mittelpunkt und weist damit die Behauptung zurück, dass der menschlichen Erfahrung eine größere Aufmerksamkeit als den Beziehungen unter nicht-menschlichen Objekten zu gute kommen soll. Mit seiner Abkehr von einer anthropozentrischen Sichtweise versucht diese Denkrichtung das Verhältnis von Subjekten zu Objekten grundsätzlich zu enthierarchisieren und darüber zu spekulieren, wie sich die Dinge unabhängig von einer Interaktion mit dem Menschen zueinander verhalten.

Nachdem in den Künsten bis vor kurzem vor allem Kategorien wie das Ephemere, Prozesshafte und Performative im Mittelpunkt standen, ist es kennzeichnend für eine neue Künstlergeneration, die von diesen objektorientierten Ansätzen beeinflusst ist, sich verstärkt mit objektbasierten Fragestellungen auseinanderzusetzten und angesichts des rasanten technologischen Wandels mit neuen, hybriden Materialien zu experimentieren. In der klassischen Erzählung der Kunst des 20. Jahrhunderts unterscheiden sich Dinge wie zum Beispiel Duchamps Ready-mades kategorial von anderen Dingen, sobald sie in den Bereich der Kunst aufgenommen werden. Der Unterschied ist dabei nicht so sehr an den Dingen, als vielmehr an der spezifischen Verwertung der Dinge als „Kunst“ und der darin implizierten Zuschreibung eines kritischen Potentials festzumachen. Anstelle dieses Paradigmas setzen neuere objektbasierte Arbeiten, zu denen auch die Werke in dieser Ausstellung zu zählen sind, auf ein spekulatives Entwerfen von Zukunft, in der an der Schnittstelle zwischen physischer und digitaler Welt globale Probleme durch den möglichst umfassenden Einbezug wissenschaftlicher und technologischer Optionen angegangen werden.

Text: Philipp Ziegler

Delia JÜrgens (*1986, lebt und arbeitet bei Hannover und in Los Angeles, USA) setzt sich in ihren Arbeiten mit Oberflächen und Objekten auseinander, an denen sich die veränderten Wahrnehmungsbedingungen in unserer globalisierten Welt ablesen lassen. Die Überschneidung von digitalen und analogen Arbeitstechniken sind für ihr Werk dabei ebenso kennzeichnend wie der fluide Austausch zwischen virtueller und physischer Realität.

Wataru Murakamis (*1983, lebt und arbeitet in Karlsruhe) fotografische Serie „Still Life“ zeigt Objekte in deren alltäglichen Umgebung. In loser Abfolge produziert er Hefte, in denen seine Fotografien anhand von thematischen Clustern wie „Color“, „At Home“, „Tidy“ oder „Openings and After“ gliedert werden. In Auseinandersetzung mit dem klassischen Genre des Stilllebens schafft er mit diesen Heften ein persönliches Tagebuch an Objekten, das aus seiner persönlichen Wahrnehmung resultiert.

Lisa MÜhleisen (*1986, lebt und arbeitet in Stuttgart) Malerei hinterfragt die Idee des autonomen Kunstwerks durch die augentäuschende Vermischung von Realität und Illusion. Die bildhafte Darstellung der Wirklichkeit entpuppt sich erst auf den zweiten Blick als Tromp l’Oil und verleiht dadurch sowohl Dargestelltem wie auch Darstellung eine objekthafte Präsenz. Die explizite Nennung der Titel unterlaufen wie auch die Präsentation der Rückseiten ihrer Bilder die Konventionen der Malerei und stellen diese durch ihre materielle Isolation zur Disposition.

Simon Speisers (*1988, lebt und arbeitet in Frankfurt a. M.) Arbeiten decken ein breites Spektrum von Medien ab und haben jeweils ihren Ausgangspunkt in fiktionalen Texten, die sich um Themen wie Hybridität, Virtualität und die Koexistenz von Natur und Technik drehen. Ein besonderes Augenmerk legt der Künstler dabei auf futuristische Konzepte, die sich insbesondere an der symbolischen Verwendung synthetischer Materialien und Oberflächenstrukturen ablesen lässt.

Annabella Spielmannleitner (*1988, lebt und arbeitet in Karlsruhe) skulpturale Arbeiten bewegen sich auf dem schmalen Grat zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Bei der Wahl ihrer Motive greift sie auf stereotype Formen zurück, die sie in Größe, Farbe und Material jeweils in so weit verfremdet, dass ihre Vorlagen nur noch bedingt wiedererkennbar sind und ein irritierendes Hin-und-Her zwischen plakativer Offensichtlichkeit und abstrakter Hermetik entsteht.

Julien Viala (*1978, lebt und arbeitet in München) Arbeiten basieren auf einer intensiven Auseinandersetzung mit den architektonischen Bedingungen des sie umgebenden Raums. Materialien und Formen seiner Werke stehen so direkt mit ihrem kontextuellen Rahmen in Beziehung.

 

 

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