Sveinn Fannar Johannsson zieht aus, um Orte zu finden, die er seinen Absichten gemäß umstrukturieren und in Bilder umsetzen kann. Seine beiläufig erscheinenden, zwischen Skulptur und Performance angesiedelten Eingriffe werden in Fotos oder Filmen festgehalten. Dabei ist Landschaft für den in Island geborenen und in Norwegen aufgewachsenen Künstler nicht in erster Linie ein Naturphänomen, sondern vor allem ein kulturell wirksames Konzept. Dieses kommt zum Tragen, wenn wir, wie in Chainsaw, das angestrengte Aufheulen und Stottern einer Motorsäge in Verbindung mit der Fotografie einer kleinen Waldlichtung hören, auf der selbst sich nichts zuträgt. In ihrem Zentrum sehen wir das aus dem Boden ragende Wurzelwerk eines längst umgestürzten Baumes, bewachsen mit zart-weichen Flechten und Moosen. Das Geräusch wird unwillkürlich als Bedrohung der Szenerie empfunden, und doch lässt Sveinn Fannar Johannsson die Erwartung eines finalen Einbruchs ins Leere laufen und lenkt unsere Aufmerksamkeit immer wieder zurück zum Bildausschnitt und seinen formalkompositorischen Bedingungen. Der krachende Sturz eines Baumes macht sich im Bild nur als ein sanftes Blätterrieseln bemerkbar. Die Situationen, die Sveinn Fannar Johannsson vorzufinden vorgibt, sind bis ins kleinste Detail konstruiert und überlassen nichts dem Zufall. In seinem Video Miss the wood for the trees zeigt uns der fixierte Kamerablick einen norwegischen Landschaftsausschnitt mit Niederholz, aus dessen Mitte noch junge Nadelbäume aufragen. Die unvermeidlich einsetzende Landschafts-Bewunderungsfunktion unseres Systems wird in dem Moment jäh unterbrochen, als ein Baum in seiner Krone immer stärker zu wackeln beginnt und schließlich kippt. Fast erleichtert stellen wir fest, dass nunmehr der Blick auf ein weites Tal freigegeben ist und der Künstler mit der Axt ein vollendetes Landschaftsbild erzeugt hat. Voller Leichtigkeit und Ironie hinterfragen seine subversiven Akte unsere Konzepte von Natur zwischen Kunst- und Kulturlandschaft.
Birgit Kulmer