Die Installationen von Suna Fener laden den Betrachter ein, selbst in Aktion zu treten. Sie locken an, ermutigen näher zu kommen, sich über Abgrenzungen hinwegzusetzen und in Dialog zu treten. Doch erst wer sich traut, sie zu berühren, Finger in Öffnungen zu stecken oder über Oberflächen zu streifen, erlebt den performativen Aspekt dieser Arbeiten. Hierbei macht es die Künstlerin uns nicht unbedingt einfach. Sie spannt goldene Seidenkordeln, die ein Herantreten verhindern, sie bedient sich Materialen, vor deren Berührung man zunächst zurückweicht oder die sogar Ekel hervorrufen, weil sie ungewohnt körperlich, erdig oder haarig sind. Jene Situationen, die von einer Ambivalenz zwischen Anziehung und Abstoßung geprägt sind, begegnen uns ebenso in zahlreichen Mythen und Märchen. Meist kann der Protagonist in solchen Momenten nicht widerstehen, vom geraden Weg abzuzweigen, und er kommt durch die ihn dort erwartenden Begegnungen mit bisher versteckten Seiten seines Wesens in Berührung. Auch die beiden personengroßen Baumwesen, deren dunkle, runde Öffnungen auf Augen- beziehungsweise Mundhöhe in einen unergründlichen Schlund blicken lassen, scheinen aus der Fabelwelt zu stammen. Fest verwurzelt stehen diese geschlechtslosen Zwischenwesen im Raum, lassen zu, dass man sich als Dritter dazugesellt, und scheinen sich sogar trotz ihrer betont statischen, stämmigen Form dem Hinzukommenden zuzuwenden. Fingerkuppe für Fingerkuppe in den Ton gedrückt, schöpft Suna Fener Gestalten, auf deren Oberfläche Spuren ihres eigenen Körpers sichtbar bleiben. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten ist die Berührung, und so wird auch der Betrachter von der dunklen, mundartigen Öffnung angezogen. Wenn der Betrachter beginnt, vorsichtig mit seiner Hand die Grenze zum Inneren des Baumwesenkörpers zu durchdringen, erlebt er eine Überraschung.
Martina Kupiak