Die Fotoserie Nur die Harten kommen in den Garten der Künstlerin Maria Castelló Solbes thematisiert Nacht, Dunkelheit und zwielichtige Orte. Solbes’ Fotografien zeigen nicht den wilden Wald, das Urbild aller archaischen Ängste. Sie spiegeln die Ängste der zivilisierten Welt. Die urbane Wildnis, die Ausgeschlossenheit vom Licht, die dunklen Seiten. So geben einige der Bilder verschiedene Ansichten einer Dachkammer wieder. Immer schon war der Dachboden ein Symbol für Abgeschiedenheit, Exil, Eremitage – wie auch der Wald, die Natur. Unterm Dach lebten die Künstler, die Dichter. Der Dachboden ist wie der Wald voller Rätsel. Man hört das Knacken des Holzes, das Rascheln, nimmt die staubige Luft, die Stille und die Verschlossenheit wahr. Er ist ein Ort der Erinnerungen, ein Speicherort für Vergessenes, Abgelegtes, Verdrängtes – und ein geheimnisvoller Ort außerhalb des alltäglichen Lebens.
Castelló Solbes sucht in ihren Arbeiten nach dem neuen Blick auf das Bekannte und Gewöhnliche, nach anderen Perspektiven, die im Betrachter Erwartungen und Erinnerungen wecken. Dabei entstehen die Assoziationen durch eigene Erfahrungen mit den Orten, seien es Orte der Kindheit oder tradierte Erlebnisse. Ein dunkler Hinterhof, der verwinkelte Dachboden – die Bilder werden von einer Stimmung beherrscht, die den Menschen dazu bringt, alle Sinne zu schärfen. Nur einzelne Lichtreflexionen bieten dem Betrachter Orientierungspunkte. Die Tür des Dachbodens scheint verschlossen, die Situation ausweglos. Und der Lichtschacht, aus dem Helligkeit ins Dunkle fällt, ist viel zu klein für einen Menschen. Vor diesem Hintergrund wirkt der markige Titel der Bilderreihe hier wie das berühmte »Pfeifen im Walde«.
Holle Rauser