Keti Kapanadze

 

 

Keti Kapanadze »Der andere Vater«

In den Bildern von Keti Kapanadze verliert die konkrete äußere Welt an Faszination gegenüber der Welt des Subjekts. Die Wahrheit des Subjekts hat immer den Charakter einer Fiktion. Sie ist eine symbolische Konstruktion aus heterogenen Elementen, in der sich Zeugnisse, Zitate und Deutungen des Subjekts mischen. Damit ist die Fiktion jedoch keine bloß „subjektive“ oder „relative“ Wahrheit, sondern sie ist in erster Linie ein Wirken.

Die ambivalente Wirkmacht von Albträumen, Visionen, oftmals des Grauens, verspricht ein poetisches Potential zwischen Angst und Lust, das die Kunst seit jeher beflügelt. Anhand der „Kunstgeschichte des Grauens“ lässt sich feststellen, dass auch diese andere traumatische Welt jenseits der Grenze einer Ordnung unterworfen ist. Diese „Ordnung des Unbewussten“ in der Kunst ist durch Stilmerkmale gekennzeichnet, die mit dem Begriff des Formlosen (Bois/Krauss) verbunden sind. Gemeint ist hierbei nicht die Negation der Form, sondern vielmehr die Bewegung ihrer Auflösung, der Prozess der Überschreitung oder Penetration von Körpergrenzen.

Keti Kapadnazes flächig, ornamental angelegte Malerei erinnert nicht von ungefähr an die Höllendarstellung aus Hieronymus Boschs ‚Garten der Lüste’, in dem die räumliche Ordnung der Welt einer permanenten Orientierungslosigkeit, einem Schweben im Raum weicht. Durch transluzierende Schichten schwirren zeichenhafte Bildelemente, die scheinbar ohne jede Hierarchie, ihres Referenten verlustig, an der Oberfläche einer genuin künstlichen malerischen Welt haften. In der scheinbaren Nähe zum Dekor steckt der Konflikt, denn der Eleganz folgt die Fratze auf den Fuß.

 

 

»Artists say there is no room for art development in Georgia« by Nina Burjanadze, The Financial, March 15, 2011

 

 

Keti Kapanadze »Junk DNA«

Die aktuellen Arbeiten der aus Georgien stammenden und in Stuttgart lebenden Künstlerin Keti Kapanadze begründen eine neue Phase ihres malerischen Schaffens. Die Bildfläche ist durch vielgestaltige, teilweise bunt aufleuchtende, sich wiederholende Elemente dynamisiert. Die transluzierenden Schichten ihres Malgrundes geben der darauf liegenden Farbe eine eigene Tiefenräumlichkeit, die den Eindruck bunten Lichtes, von Flüchtigkeit und Informationsüberflutung noch verstärkt. Die Schatten der Farben mischen sich so ein und erwecken den Anschein eines Piccadilly Circus bei nächtlichem Regen – eine Art der Hyperrealität. Es sind Bildelemente, die scheinbar ohne Hierarchie phantastisch komplizierte Strukturen ausbilden. Die hierin auftauchenden Zeichen, im ersten Moment eindeutig – fliegende Buddhas, schießende Menschen, kriechende Eidechsen – lassen sich in kein lineares Narrationsschemata bringen, noch sind sie eigentlich lesbar. Sie schwirren im Raum, ihres Referenten verlustig, kleben sie an der Oberfläche einer genuin künstlichen malerischen Welt. Keti Kapanadze war zuletzt in den Gruppenausstellungen »Suspended« im Neuen Kunstforum Köln, »I’m not a suicidor« im Museum am Ostwall Dortmund, »Born in Georgia« im Cobra Museum Amsterdam und »Bildschön« in der Städtischen Galerie Karlsruhe vertreten. Das Institut français in Stuttgart widmete ihr unter dem Titel »Bügeleisenschein« in diesem Jahr eine Einzelausstellung. © Parrotta Contemporary Art