Johannes Lotz »Randerscheinungen«
Unter dem Titel »Randerscheinungen« vereint die Ausstellung neueste Gemälde und Zeichnungen des 1975 in Saarbrücken geborenen Malers Johannes Lotz. In seiner künstlerischen Arbeit umkreist Johannes Lotz die menschliche Figur, um sie malerisch entweder zu verorten oder ihr jeden Bezugspunkt zu entziehen. Mal wird sie zur Randfigur einer übersteigerten Umwelt, mal gewinnt sie eine labile Dominanz über den Bildraum, der sich zurückzuziehen scheint wie in ein schwarzes Loch. Hier liegt der Grat, an dem sich die Ausstellung orientiert und der sich im Werk des Künstlers abzeichnet. So sind die Bildflächen bei Johannes Lotz zum Teil vollständig von dynamischen Elementen beherrscht, die an den malerischen Gestus fauvistischer, frühkubistischer und expressionistischer Tradition denken lassen. Die gleichsam aus einem exaltierten Wirbel heraus geborenen Figuren sind lediglich Elemente eines vielstimmigen Raumes. Weite Teile des Bildraums antworten den Figuren auf der Handlungsebene nicht. Sie scheinen in einer zeitlosen, »absurden Einsamkeit« (Johannes Lotz), in eine von ihnen nicht zu kontrollierende Umgebung verwickelt. Diesem Horror Vacui steht eine Ausdrucksform gegenüber, die eine radikale Trennung, einen Bruch zwischen Figur und Lebensraum forciert. In den Gemälden verhalten sich die farbigen Figuren kontrapunktisch zu einem entleerten und fast steril wirkenden Hintergrund. Die Figuren sind isoliert und im Dialog mit sich selbst, eingebettet in eine unbestimmbare Beziehungs- oder Dingwelt. Es sind Motive, die der Welt der Phantasie und Groteske zu entspringen scheinen, um dabei die menschliche Bandbreite und ihre Abgründe zwischen Eros und Thanatos wie in einer gauklerischen Halluzination zu verhandeln. Nach zahlreichen Einzelausstellungen in Hamburg, Köln, Berlin und München widmete im Frühjahr dieses Jahres das Saarländische Künstlerhaus Johannes Lotz eine umfassende Präsentation seiner Arbeit, zu der ein Ausstellungskatalog entstand.
(c) Parrotta Contemporary Art
Into the Woods Tonight
(Katalogtext)
Die Bildfläche bei Johannes Lotz ist vollständig von dynamischen Elementen beherrscht, die an den malerischen Gestus fauvistischer, frühkubistischer und expressionistischer Tradition denken lassen und dabei Figuren im Raum zwischen Auflösung und Verdichtung bilden. Diese gleichsam aus einem Wirbel heraus geborenen Figuren stehen dem Raum, den sie besetzen, zumeist fremd gegenüber. Weite Teile des Bildraums antworten den Figuren auf der Handlungsebene nicht. Sie scheinen in einer zeitlosen, »absurden Einsamkeit« (Johannes Lotz), in einer von ihnen nicht zu kontrollierenden Umgebung zurückgelassen. Die teilweise verwirrende Vielheit und Unübersichtlichkeit innerhalb der Bilder hat etwas vom Rauschen des Waldes, wenn der Wind hindurch- und die Spaziergänger hinausfegt. Die Arbeit Sport Bild zeigt mit ihren angestrengten Sportlern im Grünen einen verzweifelt anmutenden Versuch, die Natur, die längst das Grün eines Kunstrasens angenommen hat, zurückzuerobern.
Die zeichnerische Durchdringung der Malerei setzt sich konsequent in einer Serie von »Tafelbildern« fort. Hierbei erarbeitet sich Johannes Lotz auf einer dunkel lackierten Holztür eine altmeisterlich wirkende »Zeichnung« der Begegnung einer cranachhaften Schönheit mit einem Wildschwein. Die brachiale Art des Zeichnens mit einem rotierenden, die Oberfläche verletzenden Bohrer verbindet sich mit dem oftmals geradezu zarten Strich und seinen feinen Zersplitterungen an den Rändern. Ein gestisches Aufwühlen und zugleich Fixieren haltloser Zustände zieht sich durch das Werk von Johannes Lotz und vermittelt sich als eine ganz und gar diesseitige und jetztzeitige gauklerische Halluzination. (c) Parrotta Contemporary Art. Birgit Kulmer