Frauke Boggasch
*1975, Erlangen, lebt und arbeitet in Berlin

Im Allgemeinen könnte man KünstlerInnen als ProduzentInnen begreifen – Frauke Boggasch im Speziellen als Produzentin von Glücksmomenten. Für ihre künstlerische Glücksproduktion bedient sie sich verschiedenster Medien, sie malt, zeichnet, fotografiert, animiert, arbeitet mit Papier oder füllt ganze Räume mit vielschichtigen Pappinstallationen. Jedes ihrer Motive, seien es Feuerwerke, das Universum, »Antidepressivalandschaften« oder ihre vielgestaltigen Parallelwelt-Wesen, schenkt dem Betrachter einen glücklichen Moment. Doch wie kleine Antidepressiva haben sie ihre – der Künstlerin durchaus bewussten – Nebenwirkungen: die Sehnsucht nach Vergangenem und eine daraus erwachsende Melancholie. Frauke Boggaschs Kunst ruft Erinnerungen an Erlebnisse hervor, die oftmals in der Kindheit liegen, als noch das Vergehen eines Tages, die Träume der Nacht, das Rauschen der Bäume und andere kleine und große Absurditäten des täglichen Lebens mit einem unermüdlichen »Warum?« hinterfragt wurden. Das Fantastische in unserem Leben beschäftigt die Künstlerin bis heute. In ihren Arbeiten und der damit verbundenen künstlerischen Auseinandersetzung mit Popkultur, Literatur und Theorie findet sie fortwährend Antworten – und neue Fragestellungen. Wo wohnen die Waldgeister, wenn es Tag ist, und wachsen Kristalle unter Tannen? Ist der Wald in unseren Köpfen realer als der vor der Tür? Wie kann man einen Geist in 110 Teile teilen, wenn man 11 Stunden Zeit hat? Die für den Berliner Projektraum gestaltete Waldkulisse wächst geradezu in die von Kerstin Schmidt entworfene Holzrampe hinein und strukturiert dabei nicht nur den Raum, sondern auch die Ereignisse in ihm. Die Formensprache der Moderne aufgreifend, reduzieren sich Boggaschs Bild- und Raumelemente zu abstrakten Kompositionen, bis unter ihren unzähligen Schichten plötzlich wieder Augen auftauchen und den Betrachter ins Dickicht eigener Erinnerungen und Erzählungen führen. Und so hockt das Gespenst in seiner Ecke, bis jemand das Licht einschaltet.

Martina Kupiak