Wie viele Graustufen hat das Rauschen?
Die künstlerischen Arbeiten von Felix Meyer handeln von ausgedehnten Momenten des Dazwischen und einer Poetik des Rauschens. Sie oszillieren fortwährend zwischen den verschiedenen Medien wie Fotografie, Film, Skulptur und Text und loten dabei die Graustufen der Übergänge und Zwischenzustände aus.
In seiner digitalen Videoarbeit insistenz // graceful degradation sehen wir in immer gleicher Perspektive das sich langsam verdunkelnde Bild eines verschneiten Birkenwaldes. Dieser aus einem Einzelbild computergenerierte Sonnenuntergang ist zunächst nicht von seinem natürlichen Vorbild zu unterscheiden, bis man gewahr wird, dass die hellen Birkenbäume sich kaum verdunkeln und somit zu einer geisterhaften Erscheinung vor dem sich zunehmend verfinsternden Waldhintergrund werden.
Am Ende eines dunklen Ganges sehen wir überraschend die Projektion einer kreisförmigen Neonröhre, die kurz aufscheint und wieder verlöscht. Stottern ist der Titel dieser Arbeit, bei der schließlich die defekte Neonröhre wieder aufflackert, sich über eine längere Dauer mühsam zu Teilen, für Sekunden auch vollständig erhellt, um sich dann aber wie ermattet wieder abzuschalten. Dieser aufreibende Zwischenzustand zieht sich scheinbar endlos hin und evoziert ein Gefühl der Verlassenheit und Vergeblichkeit.
Ein kreisrunder Schriftzug, der unentschieden lässt, ob er »God teach me how to play« oder »Teach me how to play god« verkündet, überschreibt kaum merklich den Raum und die in ihm befindlichen Arbeiten. Sein Appell richtet sich an die Lesenden und stellt ein kniffliges Beziehungsgeflecht zwischen ihnen selbst, dem Künstler und Gott als jeweils schwankenden Standpunkten her. So lassen sich zwischen diesen beiden Lesarten sämtliche Seinsweisen menschlicher Existenz erahnen. Es besteht eine Spannung zwischen der Idee der göttlichen Weisheit und der spielerischen Natur eines Kindes, die oftmals auch dem Künstler zugeschrieben wird und etwas mit unserer Vorstellung von Freiheit zu hat – der Freiheit, den gesamten Spielraum auszunutzen, aus einer heiteren Zwanglosigkeit heraus zu agieren.
Birgit Kulmer