Claudia Kugler
*1969, Auerbach, lebt und arbeitet in Berlin

Immer weiter wird man in das dunkle Grün gelockt; stets mit dem Verlangen zu entdecken, was hinter der nächsten Biegung zu sehen ist, folgt man gespannt der Bewegung auf dem Monitor. Claudia Kuglers filmische und fotografische Arbeiten lassen uns in Fallen tappen und spielen mit unseren Assoziationen beim Betrachten von Bildern und Filmen. »Dort aus dem Dunkel schauen zwei Augen / Und ihr Blick ist finster und schön. / Ich merke es genau, doch kann es kaum glauben / Wir werden verwundet durch das, was wir sehen [...]«, singt Dirk von Lotzow in seinem Lied Free Hospital. Was wir einmal gesehen haben, bleibt in uns eingeschrieben, bedingt sowohl Erwartungen als auch Reaktionen, die in uns auftauchen, wenn wir glauben, Ähnliches wiederzuerkennen.
Die Sinnestäuschung durch bewegte Einzelbilder ist grundlegend für Claudia Kuglers Filme. Sie zeigen Bewegung, so langsam, dass man diese kaum wahrnimmt. Gespannt folgen unsere Augen der vermeintlichen Kamerafahrt. Was wir nicht sehen, ist die aus unzähligen Einzelschritten bestehende Computeranimation von Claudia Kugler. Die sichtbare Landschaft ist von der Künstlerin komplett arrangiert worden. Der in den Bildraum hineinführenden Bewegung liegt eine wirkliche bildparallele Verschiebung auf der Fläche zugrunde. Tatsächlich bringen uns die »Kamerafahrten« in Kuglers düsteren Gegenden dem Fernen nie näher. Kurz bevor wir glauben, um die Hecke herum- oder in den Wald hineinspähen zu können, führt uns die Bewegung wieder fort und lässt uns mit unseren Vermutungen allein. Claudia Kuglers virtuelle Szenarien spielen mit emotionalen Mustern, rufen verdrängte Ängste und Ahnungen hervor. Der Schrecken entspringt Erinnerungen an Märchen, Träume oder Filme aus der Alfred-Hitchcock- oder David-Lynch-Tradition. Schaudernd spüren wir, wie uns im unendlichen Grün der Boden unter den Füßen weggezogen wird und wir uns im Dickicht des Waldes verlieren.

Martina Kupiak