*1978, Frankfurt am Main, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. In ihrer spielerischen Herangehensweise stellt Britta Kamptner stets präzise Referenzen, insbesondere zur konstruktivistischen Tradition und deren Übertragung in minimalistische und konzeptuelle Verfahren der 1960er-Jahre her. Sie wirft damit in ihren Arbeiten noch immer nicht abgegoltene Fragen nach dem Verhältnis formalästhetischer und politisch-sozialer Belange auf, die sich mit der Forderung nach einer prinzipiellen »Zugänglichkeit« von Kunst verbinden. Fasziniert von dem Gedanken, sich Kunst einzuverleiben, zeigt Britta Kamptner eine Serie von industriell in ihrem Auftrag hergestellten Lebkuchenherzen mit Zuckergussverzierung. Unbeirrt setzt sie diese hypersignifikante Form in ein spannendes Verhältnis zu Kasimir Malewitschs Schwarzen Quadrat, der Ikone gegenstandsloser Malerei und dem Sinnbild autonomer Form. Und plötzlich berühren sich diese nur scheinbar gegensätzlichen Modelle des Jahrmarkts und des Konstruktivismus, werden gar austauschbar in ihrer magischen Trivialität und ihrer gewöhnlichen Verklärung. Die Lebkuchenherzen werden mit einer Markiseninstallation kombiniert und lassen so im Kontext der Ausstellung an einen Erfrischungskiosk oder ein Hexenhäuschen im Wald denken. Der Wind eines Ventilators streift eine aus einem Keilrahmen gezimmerte und von rot-weißem Geschenkband bespannte Markise, an deren Rand die losen Enden des Geschenkbandes aufflattern und ein künstliches Blätterrauschen erzeugen. Erinnern die Streifen auch an Daniel Buren und der Ventilator an Michael Asher, so steht diese Markise mit dem altersschwachen Ventilator in ihrem Selbstgemacht-Sein doch in einem gewissen Kontrast zur »Reinheit« der Minimalästhetik. Es ist kein Fast-nichts-Pathos, das hier durch den Raum weht, sondern vielmehr eine feine Nostalgie. Der Gedanke an Marcel Duchamps Trauriges Readymade kommt auf und verbindet sich mit der Geschichte der Markise, die erstmals auf dem Balkon der Geschwister Kamptner ausgestellt war. Duchamp hatte seiner Schwester zur Hochzeit die Anleitung für ein Readymade geschickt. Sie möge auf dem Balkon ein Buch aufhängen, dessen Seiten der Wind durchblättern solle. Birgit Kulmer