Anders H. Nissen
*1972, Esbjerg/Dänemark, lebt und arbeitet in Berlin. Vom Berliner Projektraum aus begeben wir uns auf einen Minigolfparcours, der uns auf die Brachen von Berlin-Mitte führt. An Orten, die gewöhnlich übersehen oder zum Abladen von Schutt genutzt werden, errichtet Anders Hellsten Nissen Minigolfstationen aus vorgefundenem Material. Die eigens hierfür angefertigten Schläger und ein Parcoursplan können in der Galerie während der Öffnungszeiten ausgeliehen werden.
In Stuttgart zeigt Anders Hellsten Nissen hell erleuchtete, doch leere Billboards, die ihren kühlen Schein auf die Umgebung werfen. Wir haben es mit 1:1-Modellen von Plakatwandgestellen zu tun, die für gewöhnlich hinter dem, was sie zur Schau stellen, verschwinden. Oftmals sind es Stützkonstruktionen und Behelfsmittel, die in den Arbeiten von Anders Hellsten Nissen in den Vordergrund gerückt und in ihrer Form zum Hauptgegenstand werden. Die Struktur des Zeichenträgers wird dadurch selbst zum Zeichen. Mit seiner performativen Minigolfinstallation im öffentlichen Raum, deren letztes Zielloch wieder auf der Holzrampe der Galerie liegt, lenkt der Künstler unsere Aufmerksamkeit auf spielerische Weise wieder auf Orte und Gegenstände, die eigentlich »nichts« sind und ihrer Besetzung noch harren. Wenn wir als Golfspieler die Wildnis der Stadt hinter Bauzäunen und Absperrungen erkunden, werden unweigerlich Fragen nach Besetzungsstrategien und Aneignungsmöglichkeiten des öffentlichen Raumes aufgeworfen, denen wir im Spiel gemeinsam nachgehen. Ausgestattet mit dem in der Galerie erhältlichen Werkzeug, sind wir gerüstet, übergangene Orte zu erkunden und die Stadt aus fremden Perspektiven wahrzunehmen. Der gänzlich unautoritäre künstlerische Zeigegestus, mit dem Anders Hellsten Nissen unsere Wahrnehmung für die uns umgebenden sozialen Formen schärft, ist geschult an einer minimalistischen Formensprache, die selbst da noch erkennbar bleibt, wo wir es mit Gerümpel des Alltags zu tun haben. Birgit Kulmer